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IKARIA „LUXEMBOURG“

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IKARIA „LUXEMBOURG“ auf Bizarre Radio

Geografisch wertvoll – das triffst. Der Begriff Ikaria bezeichnet allgemein eine griechische Insel in der Ostägäis welche Teil der Sporaden ist. Im Besonderen handelt es sich jedoch um eine Band die schon San Diego, Washington D.C., Chicago, Hamburg, Berlin, Vallarum und eben auch Luxembourg ihr zu Hause nannte.

Auf ihrem nunmehr zweiten Album begeben sich die Herren musikalisch in der Vergangenheit. Beim ersten Hören fühlt man sich sofort an Joy Division, The Cure und die frühen Depeche Mode erinnert.

Ikaria spielen mit der kühlen Ästhetik des New Wave ohne dabei jedoch völlig in diese Stilrichtung abzugleiten. Luxembourg spiegelt bis zu einem gewissen Maße den Werdegang der Band musikalisch wieder. Fern der Politik eines Majorlabels gönnt sich die Band Freiheiten. Die Single „Transmitter“ wirkt genauso rau und direkt wie der Rest des Albums, was nicht heißen soll, dass Luxembourg frontal auf den Hörer zustürmt. Vielmehr verpackt die Band ihre Autarkie in elf anspruchsvollen und dennoch hörbaren Songs.

Story über „LUXEMBOURG“ im Uncle Sally*s

Es ist selbstverständlich immer interessant zu hören, was Bands aus Alben machen – genauso spannend kann es sein, zu verfolgen, was Alben aus Bands machen.

Mit dem zweiten Longplayer ’Luxembourg’ hat sich die junge Berliner Formation Ikaria sortiert und ihre sehr unterschiedlichen Wurzeln unter einen Hut gebracht, auch wenn sie „daran fast zerbrochen wären“, wie Sänger Hendrik Schäfer berichtet. Weiter voneinander entfernt kann man auch kaum sein: Die Mitglieder stammen sowohl aus der Hardcore- als auch der Jazzszene. Das hört man den düster sphärischen Momenten, die Ikaria mit ihrer Musik erzeugen, nicht unbedingt an, aber sie zeigen, wie sich unterschiedliche Inspirationen zusammenfügen können.

Bei bitterer Kälte wurde ’Luxembourg’ im verschneiten Schweden aufgenommen. Ein perfektes Szenario für diese gefühlvolle, ernsthafte Musik. Ihr Produzent Mathias Oldén stellte die Band dabei vor eine große Herausforderung. Er akzeptierte im Studio nur Live-Aufnahmen, „um den Soul der Musik einzufangen“. „Es war hart für uns“, erinnert sich Hendrik. Die Band stand vor der Aufgabe, den eigenen Begriff von einer perfekten Aufnahme neu zu definieren. „Ihr seid richtige Deutsche“, sagte Mathias immer wieder, „alles soll superkorrekt sein“. Ikaria mussten abwägen, ob es stimmiger ist, „das Album tight aufzunehmen oder mit mehr Gefühl“. Die Entscheidung, Fehler zuzulassen und der Musik mehr Leben einzuhauchen, schlug sich auf die gesamte Spielweise nieder. „Wir sind einen Schritt zurückgegangen. Wir hatten auch live mit Klick und sehr tight gespielt, aber das haben wir nun über Bord geworfen und achten nun mehr darauf, als Band zusammenzuspielen, denn eine Band ist mehr als die Summe ihrer Teile.“

IKARIA „LUXEMBOURG“ im Uncle Sally*s

„Luxembourg“ ist eine dieser Platten, die klingen, als wären sie in eine Leichenhalle aufgenommen worden. Ikaria leben in Berlin, das Album wurde in der schwedischen Einöde aufgenommen. Im Winter. Und so klingt es auch. Unterkühlter, schneidiger, gotischer Indie-Pop-Rock, geschult an den einschlägigen Referenzen der vergangenen Jahrzehnte. Schön ist der Wille zum Hymnenrefrain, nicht schön hingegen die Tatsache, dass ihnen ständig schiefe und ungelenke Melodien dazwischen grätschen. In „Fragile“, dem besten Song, haben sie den dunkle-verrauchte-Bar-Blues, den sie mit einem schönen Ohrwurmchorus kreuzen. Im Rausschmeißer „Seven Spires“ werden sie theatralisch und spielen vor dem geistigen Auge in einem Varieté, in dem nur die Notbeleuchtung an ist. Der große Rest reicht zur Beschallung einer Kellerparty.

IKARIA „LUXEMBOURG“ auf Rote Raupe

es ist winter in schweden. in der dunkelheit wirkt alles gleichförmig und trist. die sonne zeigt sich nur kurz und meistens verdeckt von einem grauen schleier aus sich türmenden wolken. hier in einem abgeschiedenen dorf sitzen ein paar männer und grübeln über ihren ideen, ihren songs. mit jedem ton hört man welchen einfluss diese umgebung auf die wahl-berliner hatte, während sie ihr album „luxembourg“ im winterlichen schweden aufnahmen. Klangfarbe: düster bis traurig

der einstieg in „luxembourg“ könnte auch ein ende sein. wenn die stimme sich resignierend und etwas abwesend über das gitarren-picking von „parabolic“ legt hat man das gefühl mitten in die geschichte geworfen zu werden. ein enstieg der keiner sein will. gleich schon fällt der angenehm unproduzierte und unprätentiöse Sound auf, was den songs einen rauen charme gibt.

in der pathetischen vorab-single „transmitter“ schimmert dann doch etwas hoffnungsvolles durch, ohne dass die band aus ihrem klangkosmos fallen würde. doch diese momente sind nur von kurzer dauer. „trial error“ zieht das tempo an, während sich drüber ein shoegaziger gitarrensound breit macht und die stimme weiterhin wenig bis keinen trost spenden möchte. einen dezenten stilbruch gibt es mit „the waitress no. 1″, der in seiner ästhetik etwas an späte fugazi erinnert und sich weniger zurückhaltend verhält als der großteil der songs. die band zeigt hier den mut nicht in harmonisch-traurige melodien einzutauchen, sondern den song in schieflage zu belassen.

das zum großteil live eingespielten album, klingt wie aus einem guss, und gleichzeitig klemmt am ende aber jede schublade die man öffnen möchte, um die band dort abzulegen. die idee des shoegaze und postrock, den großen pathos des pop, sowie die distanziertheit der post-punk und new wave-ära, wie sie von joy divison oder the cure in den achtzigern zelebriert wurde, könnten hier wegweiser sein. als brüder im geiste könnte man hier auch the national nennen, die es ebenfalls geschafft haben, viele stile und ideen unterzubringen und dabei ein rundes, geschlossenes album zu kreieren.

auf „luxembourg“ wird der pathos-bogen vielleicht das eine oder andere mal etwas überspannt, und mit „seven spires“ anscheinend versucht die editors in sachen „große gesten“ und dramatik zu überrunden. irritierend ist das datum der veröffentlichung. ein wintereinbruch im sommer.

IKARIA „LUXEMBOURG“ auf Alternative-block

Ikaria ist die griechische Insel, auf der Ikarus nach seinem Höhenflug von seinem Vater Dädalus begraben worden ist. Vor den Küsten hat außerdem der griechische Gott Dionysos mal ein paar Piraten ausgetrickst. Also nicht grade die spannendste Insel, wenn ein Begräbnis das wichtigste Ereignis ihrer Geschichte war. Ikaria ist halt aber auch diese Band aus Berlin, die im letzten Jahr Post-Rock und Pop zu einem zwar etwas eintönigen aber doch positiv verträumten Debüt verbunden hat, dass durch die sehnsuchtsvollen Vocals an Qualität gewonnen hat. Auf dem neuen Album „Luxembourg“ haben sie es mit der Eintönigkeit stellenweise aber dermaßen übertrieben, dass sie in Sachen Langeweile der Geschichte des Namensgebers locker die Stirn bieten könne

Schon nach wenigen Sekunden des Openers „Parabolic“ ist klar, dass der Gesang es auf dieser Veröffentlichung wohl nicht rausreißen kann. Fast über die gesamte Länge des Albums wirkt er seltsam kühl und zerstört die Atmosphäre. In „Young Hearts Fail“ macht er sogar den Spannungsbogen kaputt und behindert das Laut-Leise-Spiel. Warum bei den unpersönlichen Texten überhaupt Gesang gebraucht wird, ist mir sowieso ein Rätsel.

Abgesehen von den bis jetzt genannten Schwächen erinnert die Platte sehr an „Other Truths“ von Do Make Say Think aus dem letzten Jahr, jedoch mit deutlich gekürzten Songs. Insgesamt gibt es unter den elf Songs der Platte nämlich nur drei, die die Grenze von vier Minuten überschreiten.

All dem stehen aber auch klare Pluspunkte entgegen. Alles ist mit Mathias Oldén von Logh Live aufgenommen worden, was eine deutlich rauere Stimmung als beim Vorgänger schafft. Deswegen klingen sie an vielen Stellen dann auch wie eine dreckigere Version der rhythmusbetonten Seite der Band des Produzenten.

Das Album leidet zwar unter dem geringen Unterschied zwischen den einzelnen Songs, kommt damit möglicherweise aber auch dem Willen der Band zu einem noch „straighteren“ Sound als beim Debüt nach. Dem gegenüber gibt es ab und zu auch Momente, die überzeugen können und überraschen. Der erste von diesen Momenten ist der Song „Waitress No.1“, der die erste Abweichung vom Einheitsgesang hin zu einem etwas aggressiveren Ton zeigt und auch die Instrumente wirken angestachelt. Kurz vor Ende kommt mit „Severe“ noch ein schnellerer Song, der mit mehr Abwechslung überzeugt und direkt darauf „Seven Spires“, bei dem sich die Vocals endlich mal mit den Instrumenten ergänzen.

Ikaria können es also eigentlich. Wenn sie beim nächsten Album mehr auf Abwechslung achten, kann es sehr gut werden. So aber plätschert ihre Musik zu sehr vor sich hin, im Hintergrund würde sie aufgrund ihres Popappeals wohl niemanden nerven, aber das ist jawohl nicht das Ziel einer Post-Rock-Band.

IKARIA „LUXEMBOURG“ auf Alternativmusik.de

Manche Aha-Erlebnisse sind eindeutig. Man weiß sofort: Jetzt hat es „Klick“ gemacht, jetzt weiß ich, was hier Sache ist. Dass es aber auch andere Formen eines Aha-Erlebnisses geben kann, beweisen Ikaria auf Luxembourg, denn auf der einen Seite lösen sie zwar ein gutes Jahr nach Repair My History sofort etwas im Hörer aus, auf der anderen Seite aber ergänzen sie auch ein „Moment mal!“ zum „Aha“. Das Aha-Erlebnis stellt sich schnell ein, merkt man doch erfreulich schnell mal wieder, dass es immer noch einen Gegenentwurf gibt. Trotz einer eigentlich erfreulich diversifizierten Indie-Landschaft begegnen stetig die Chucks-und-Ringelsocken-Ressentiments – hier merkt man schnell, dass Ikaria da so rein gar nichts mit zu tun haben.

Die anschließende Phase führt dann aber zum spontanen „Moment mal!“, denn Ikaria bieten Klänge, die einem irgendwie mysteriös vertraut scheinen. Das einleitende „Gegenentwurf“ war da zwar ein Schlagwort, aber Ikaria spielen hier Musik, wie man sie auf diese Weise gerade in der heutigen Zeit selten hört und bewegen sich in einem Spannungsfeld von Shoegaze, Indie und Post-Rock. Indie schon alleine natürlich daher, dass diese Musik sich fernab des Gängigen bewegt (was jedoch auch nicht mehr so alltäglich ist bei dem, was sich heutzutage alles so bezeichnet). Post-Rock dient vor allem als ein Einfluss, denn es sind gewisse Verschachtelungen da, einige bis ins Ambiente abgleitende Momente, dennoch aber hat man nie den Eindruck, dass hier zu verkopft zur Sache gegangen würde, denn man erkennt immer ein Ziel, eine Richtung, wie es weitergehen soll. Deutlicher tritt da schon das Shoegazing-Moment zutage. Ikaria haben stets etwas Verhangenes. Zwar sind die Arrangements klar strukturiert, aber es ist etwas unerhört Atmosphärisches, mit dem die Band hier agiert. Friedlich und verhangen klingt es – und bei aller Friedfertigkeit immer sehr pointiert.

Ob man das nun als Gegenentwurf, eigenen Entwurf, Popkultur oder Untergrund bezeichnen will, verkommt da zur Nebensache, denn wichtig sind die inneren Werte und Schubladenbegriffe. Ikaria haben auch auf ihrem Zweitling wieder einen ansehnlichen Stapel gelungener Arrangements zusammengelegt. Und auch, wenn es in den letzten Monaten scheinbar wieder ein bisschen mehr en vogue wird, sich zurückzusehnen in die goldenen Shoegazing-Zeiten: Hier ist etwas wirklich eigenes entstanden. Starkes Album!

IKARIA „LUXEMBOURG“ auf durchdes welt

Im letzten Jahr lieferte die Berlin/Hamburger Formation Ikaria mit -Repair my History- ein ruhiges und dennoch intensiv aufwühlendes Songerlebnis. Die gebotene klangliche Untermahlung zwischen Liebe/Trauer bis zu Glück/Schmerz wird nun ein Jahr später zu einem neuen Kapitel eingeläutet.
Die 11 Tracks auf –Luxembourg- klingen kompakter, vielleicht dezent reduzierter und im Unterton etwas rauer als zuvor. Grund für diese Veränderungen ist die Tatsache, dass sich Ikaria entschlossen kurzerhand das Material live einzuspielen. Diesen Schritt finde ich lobenswert und sprengt die Synthetik der Klangkonserve und verleiht das Gefühl eines mittendrin Erlebnisses. Ikaria erreichen durch einen Mix aus ruhigen Post Emo/Indi Rock/Pop eine bezaubernde Art und Weise sich durchzusetzen und den Hörer in den Bann zu ziehen, ohne wirklich laut zu werden.
–Luxenbourg- kann dein Begleiter für trübe Tage, Herzschmerz und Zerbrechlichkeit werden, in dem die Hoffnung in Form eines weisenden Lichtes zu erkennen ist.

Ein durchschlagendes Erlebnis auf ruhigen Sohlen …

IKARIA „LUXEMBOURG“ auf Mainstage.de

Ikaria können es nicht lassen. Es ist gerade mal ein Jahr vergangen, seit ihr Debütalbum “Repair My History” erschienen ist. Und nun folgt bereits der Nachfolger “Luxembourg”. In diesem einen Jahr ist aber eine ganze Menge passiert. Während das Debüt noch in Berlin aufgenommen wurde, ist die Band diesmal nach Schweden gereist, um mit Mathias Oldén (Logh) das Album auf die Beine zu stellen. Und das bringt logischerweise Veränderungen im Sound mit sich.

Bei “Repair My History” war das Berliner Quartett noch etwas zögerlich. Man hat sich nicht wirklich getraut, auszubrechen und in die Vollen zu gehen. Das ist bei diesem Album anders. Es ist zwar nach wie vor behutsamer Postrock, der aber nun öfter mal aufbricht und Klangwände mit sich bringt, die übermannen. Besonders die Refrains sind mitreißend und ohrwurmreif. Highlights des Albums ist die Single “Transmitter” und das marschierende “The Waitress No. 1″.

Auch erwähnenswert ist der Gesang. Abwechselnd greifen Hendrik Schäfer und Jean-Jacques Schwenzfeier zum Mikrofon und lullen den Hörer mit ihren verträumten Stimmen und den berührenden Texten ein. Es geht um Glück und Unglück, um das Gefühl von Sieg und Niederlage. Themen, die jeden beschäftigen und hier sanftmütig auf den Punkt gebracht werden. Ein Vergleich zu Interpol bleibt bei diesem Zusammenspiel aus Gesang und Musik nicht aus.

Ikaria klingen jetzt präsenter und professioneller als je zuvor. Der Sound ist auf “Luxembourg” gewachsen und die Band mit ihm. Nichts desto trotz bleibt das Grundgefühl bei Ikaria das Gleiche. Musik, die so sehr unter die Oberfläche geht, gibt es sonst nur selten hierzulande. Wenn diese Jungs von ‘Transmitter’ singen, dann spürt man genau, was damit gemeint ist – Denn es kommt beim Hörer an. Übermittlung erfolgreich!

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IKARIA „Repair My History“ auf intro.de

IKARIA „Repair My History“

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IKARIA „Repair My History“ auf intro.de

Auf das Hamburger Cobretti-Label ist Verlass. Oder eben nicht, wie man’s nimmt.

Nachdem die zwei hyperaktiven Firmenchefs in 2008 schon ganze zwölf Veröffentlichungen mit größtenteils wunderbarem Trash und Blödsinn auf liebevoll handgebrannten CDs an die beschwipste Fanbase weitergereicht und pünktlich zu Neujahr einen (Label-) Sampler mit den besten und beschissensten Songs des Jahres 2009 in die Freiheit entlassen hatten, gibt man sich mit der Veröffentlichung von Ikarias Debütalbum „Repair My History“ nun plötzlich topseriös: ein fein gesponnenes, sehr unprätentiöses und verträumtes Post-Pop-Album vier junger Herren mit aristokratischen Gesichtszügen.

Wer so aus dem Rahmen fällt, gefällt, wenn, ja, wenn die Musik die Neuorientierung am Markt auch nachhaltig rechtfertigt. Und die erinnert angenehm an die mittleren Notwist, biedert sich durch eine leichte Rumpeligkeit wirklich nirgendwo an und trägt die Schwere und Ernsthaftigkeit des Songwritings solide über die acht langen Stücke der Platte. Problem nur: Das Ganze ist im ersten Zugriff etwas langweilig geraten. Also doch lieber zum Cobretti-Überact Schmidt Und Schmidtchen Weizenbier exen? Eingehende Analysen folgen.

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IKARIA „Repair My History“ auf mainstage.de

“Oha, Cobretti! Jetzt geht es aber richtig los.” war mein erster Gedanke, als ich das Debütalbum von Ikaria aus meinem Briefkasten fischte. Üblicherweise verbreitet das Label seine Musik über selbstgebastelte Tonträger und in privater Promotion. Doch mit “Repair My History” scheint sich einiges zu ändern. Promoter sind Community und die Platte kommt in richtigem Jewel Case daher. Aber kann die Musik denn auch halten, was die Aufmachung verspricht?

Zunächst einmal lässt der Albumtitel vermuten, die Band hätte in der Vergangenheit irgendwas ganz Schlimmes angestellt, was nun begradigt werden müsse. Dem ist aber keinesfalls so. Die erste EP “Fiber”, die im letzten Jahr erschien, war nicht von schlechten Eltern und deutete bereits an, in welche Richtung es gehen könnte. Die Vermutung bestätigt sich, Ikaria folgen weiter dem Weg, den sie mit “Fiber” betreten haben: Dem Weg des Post-Rock-Pop-Gemischs. Was erst einmal wie eine merkwürdige Kombination anmutet, entpuppt sich als wirklich durchdachte und vor allem intensive Musik. Man kann sich der Klangwelt Ikaria’s nur schwer entziehen und lässt sich gerne mittreiben.

Zur Stimmung trägt auch der Gesang von Hendrik Schäfer maßgeblich bei. Stets unaufdringlich und weitschweifig legt er sich unter die Musik und teilt nebenbei eine Weisheit nach der nächsten aus. Die Texte sind zwar eher assoziativ gehalten, aber lässt man sich auf dieses Muster ein, kann man den ein oder anderen schönen Satz in Gedanken gerne mitnehmen.

“I never touched hands grabbin’ for reasons to stay.
To focus your thoughts, to stay, electric eyes, heartless.
You only observe, never feel. You never noticed words.”

Alles in allem also wirklich ein blendendes Album, das dem Label Cobretti sicherlich auch über den Szenekreis hinaus zu Aufmerksamkeit verhelfen könnte. Allerdings bleibt da eine Gefahr, die sich auch schon auf der EP andeutete: Wenn Ikaria nicht ein bisschen mehr Vielfalt in die Musik bringen, könnte es schnell langweilig werden, sich mit der Band zu beschäftigen. Aber für einen ersten Longplayer den Stil zu erhalten, ist natürlich noch folgerichtig und umumstritten eine gute Sache.

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IKARIA „Repair My History“ auf durchdes welt

Ikaria (Hamburg/Berlin) präsentieren am 24.4.09 ihr erstes Album auf Cobretti Records/Broken Silence. Herausgekommen sind 8 wunderschöne ruhige Post Indi Perlen, die ihre Wurzeln irgendwo im modernen Emorock haben dürften.
Den Sound vom Album -Repair my History- zu umreißen gelingt nur oberflächlich und soll ausschließlich der groben Orientierung dienlich sein. Ikaria passen in kein Korsett. Man bewegt sich wunderbar zwischen den Stühlen und begeistert auf eine herrlich entspannte ruhige Art.

Klischees bleiben auf -Repair my History- außen vor. Nehmt Euch etwas Zeit und ihr werdet die Platte mit ihren traurigen und verträumten Momenten lieben lernen. Ganz langsam durch Monotonie entspringenden Klängen, gebärt sich ein Feuerwerk aus gefühlsvollen Eindrücken, die nicht selten mitten ins Herz treffen.

Besonderes der Song, „Non-Intrusive“ beinhaltet einen mitreisenden Stimmungsaufbau, der mich sehr berührte. Gefühltes Glück und Trauer lagen selten so nah beieinander.

Ikaria haben mit -Repair my History- alles richtig gemacht. Schade, dass solch ein Werk schnell in der Release Flut untergehen könnte.

Lasst Euch nicht vom schlichten Cover täuschen, unbedingt mal reinhören!

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IKARIA „Repair My History“ auf allschools.de

Nachdem JENIFEREVER mit ihrem großartigen „Spring Tides“ dem Post-Rock einen Gefallen taten kommen nun die Berliner IKARIA daher und kreieren ein ebenso aufwühlendes wie auch intimes Stück Musik.

„Wasting my Life would be the Biggest Fun“ singen IKARIA in „Tenable Sedation“. Ein unbeschreibliches Stück Musik. Die zurückhaltenden Gitarren, das jazz-artige Schlagzeug, die kurz ausufernde Stimme von Sänger Hendrik Schäfer und das immer wieder repräsentative „I Need a Break“. Ein wundervolles Lied. Aber der Rest des Albums ist nicht minder gut. Die intime und zerbrechliche Stimmung sorgen für Spannung und eine unvergleichliche Atmosphäre. Zwar nie mit der emotionalen Wucht der zu Anfangs genannten JENIFEREVER (die IKARIA übrigens schon supporten durften), dafür ziemlich nah dran. Dass der Drummer sicherlich Jazz-Musik mag ist nicht zu verleugnen und passt perfekt in die schüchternen Gitarrenparts der Band.

IKARIA klingen erschöpft und doch wütend, kaputt und doch voll bei der Sache. „Repair My History“ ist ein zwiespältiges Unterfangen, aber doch ein rundes und Stimmiges Werk voller genialer Momente. Doch zwischen diesen ist noch genügend Luft zum Füllen. Ein guter Einstieg ist das Debüt trotzdem.

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IKARIA „Repair My History“ auf unruhr.de

Eigentlich liebt man Cobretti vor allem aufgrund des wunderbaren Trashs, den das Label unters Indievolk bringt. Aber Cobretti kann auch anders: Ernsthaft und schwer klingt das Debütalbum “Repair my History” von Ikaria, aber vor allem richtig gut.

Ikaria machen feingesponnenen Indie-Postpop, dem man die Liebe zu The Notwist deutlich anhört. Und so prägen emotionale Spannungsbögen und ungewöhnliche Breaks ihre Musik, die zum Glück genügend Kanten zum Hängenbleiben bietet. Bester, weil vielleicht auch untypischster Song ist das rhythmische “Tenable Sedations”, das aus diesem ansonsten sehr kompakten Album heraussticht. Ikaria sind bestimmt nicht das nächste große Ding, aber mit “Repair my History” haben sie ein sympathisches Debüt vorgelegt, ein kleines feines Indie-Album, das ganz unaufgeregt und einfach sehr angenehm daher kommt.

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IKARIA „Repair My History“ auf popfrontal.de

Ikaria: Repair My History – Auf der Suche nach der Summe

Ikaria sammeln eine Menge Dinge und begeben sich auf die Suche nach der Summe daraus. Mag sein, dass die Namensfindung viel banalere Gründe hat. Vielleicht benennt sich die Band aber auch gerade deshalb nach einer kargen Insel, um den Ruhepunkt zu markieren, auf dem sich die vier Herren (aus verschiedenen Bands und Orten stammend) endlich finden. Dieses Konstrukt zieht 2006 in Wahrheit von Hamburg in das manchmal unvermeidliche Berlin. Die ostägäische Insel versagt sich derweil dem Massentourismus und lässt jedem Individualisten Ruhe, Zeit sowie den nötigen Frieden. Etwas, was auch für „Repair My History“ gilt, denn man möchte es gar nicht zusammen mit irgendwem, sondern am liebsten ganz alleine mit sich selbst hören. Bei einem Glas Wermut in der leichten Wehmut am Ende eines Tages zum Beispiel. Ikaria geben sich auf ihrem Kreuzzug durch den Post-Indie-Pop-Rock kaum voraussehbar. Und stellen zudem genügend Wegsperren auf, dass man keinem der acht Stücke auf dem Rundgang so direkt zu folgen vermag. Auf halber Strecke bleibt dann die Geschichte vor dem achteinhalbminütigen Mittelpunkt „Non-Intrusive“ für Momente etwas ratlos stehen, ehe mit „Requirement For Habits“ ganz sanft auf die Zielgerade eingebogen wird. Mitgehen grundsätzlich erlaubt. Dass sie es uns leicht machen wollten, aufgesammelt zu werden, hat ja auch niemand behauptet. Tour im Mai. (mk)

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IKARIA „Repair My History“ auf nillson.de

Bereisen Sie Ikaria, solange es noch steht! Oder wie war das? Da muss man sich erst mal schlau lesen und erfährt allerlei für den ersten Moment unnötiges, wenn man sich bei Google mal umsieht, nachdem man mehr oder minder zufällig auf Songs von „Repair My History“, der Debütplatte des vorzugsweise in Hamburg beheimateten Quartetts Ikaria, gestoßen ist. Griechische Insel, Tanz, etc.; nichts zu lesen von schwelgerischem Postrock. Da muss man dann doch zur Platte greifen und einfach drauf los hören. Das Ergebnis kann man sich dann durchaus gut gefallen lassen, auch wenn es mit griechischer Landeskunde trotz des einschlägig vorbelasteten Bandnamens (bei Gelegenheit mal dessen Bedeutung bei der Band nachfragen!) denkbar wenig zu tun hat.

Betrachtet man sich auf der Homepage von Ikaria mal die Bands, die sie bereits auf Tour begleitet haben, dann liest sich das wie eine Auflistung von Parallelen: neben den Schweizern von Favez stehen da auch die Schweden Jeniferever und Audrey; sogar zu Me Succeeds lässt sich, was die Art der Melodieführung angeht, eine Brücke bauen. Der Postrock von Ikaria erscheint zunächst einmal reichlich schwerfällig und vertrackt, nimmt sich viel Zeit; ist natürlich gnadenlos uneingängig und recht weitläufig und erinnert mich persönlich am ehesten an die tollen Sometree, vor allem auch was die melancholische Seite anbelangt. Ikaria kleiden ihre Musik in weite Felder aus mäandernden Gitarren und schleppenden Drums und drehen weite Runden um die Songkonstrukte. Das hat manchmal auch fast schon Delbo-eske Züge, und so geschieht es natürlich, dass die Platte – speziell beim ersten und zweiten Hören – noch nicht gleich im Ohr stecken bleibt, sich windet; gewonnen werden will, erarbeitet. Ikaria packen nicht die progressive Lärmpeitsche aus; in der Ruhe liegt hier die Kraft, und belohnt wird der, der Zeit investieren mag in „Repair My History“. Es ist eben diese Ruhe und scheinbare Gelassenheit, die – gepaart mit der Sperrigkeit der acht Songs – eine solche emotionale Schwere und Emotionalität vermittelt, die eben durch dieses oft so gleichgültig wirkende derart intensiv wird. Sicherlich – die ganz riesengroßen Momente im Schwelgerischen lassen Ikaria auf ihrem Debüt noch vermissen; man fühlt zwar die Bedrücktheit von „Repair My History“ und kann den Sinn des Ganzen nachvollziehen, an Identifikationspotenzial mangelt es aber noch zu häufig. Für eine Debütplatte ist das Album aber tatsächlich sehr beachtlich geraten. Da kann noch einiges kommen!

Text: Kristof Beuthner

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IKARIA „Repair My History“ auf bloom.de

Die flauschige Weichheit und das sehnsüchtige Zartmelodiespiel sind eine Wahrheit der Ikaria-Popmusik. Ebenso jedoch klingen brüchigen und störrischen Elemente als Überreste härterer musikalischer Gangarten an. Schönheit allerdings, relativ tragische, dominiert den Sound des Gitarren-und-mehr-Quartetts. Im Mittelgrund zwar pumpt auch gerne Dancefloor-Massivität, doch sie bleibt dezent beigemengt.

„Repair My History“, das erste Album der gegenwärtig in Hamburg beheimateten Gruppe, ist ein durch und durch klangästhetisch optimiertes Debüt einer jungen Band. Verschiedene Stränge des einstigen Untergrunds führt es zusammen, englisches Shoegazing beispielsweise, ebenso repetetiven Space-Pop, hypnotischen Indierock, harsches Post-Punk-Hinher-Aufab und auch Post-Core-Geschrängel. Doch selbst Balladenpathos mündet, neben den raueren Auswüchsen, in diese zarten Gitarrensaitentonfolgen, welche Melancholie verströmen. Sie machen, als Ausgangs- wie Endpunkte, den Hauptanteil des Ikaria-Reizes aus. Weil Sanftmut siegt.

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IKARIA „Repair My History“ auf blueprint-fanzine.de

(mb) Hier ist wieder eine von diesen kleinen Indie Bands mit den verträumten und meist wohlklingenden Bandnamen, bei denen man im ersten Augenblick nicht weiß, ob sie reine Fantasiewörter sind, aber im selben Moment schon vermutet, dass sich doch etwas mehr an Bedeutung dahinter verbirgt. Ein schneller Blick in die Wikiklopädie schafft auch hier Aufklärung. Und natürlich. So abwegig war es gar nicht. IKARIA ist eine griechische Insel, nämlich genau die sagenumwobene Insel, auf der Dädalus seinen Sohn Ikarus beerdigt haben soll. Ihr wisst , das ist der, der abgestürzt ist, weil er zu nah an der Sonne geflogen ist.
Und wenn ich „diese kleinen Indie-Bands“ schreibe, dann ist das in den meisten Fällen wie auch in diesem alles andere als despektierlich gemeint, sondern vielmehr als großes Kompliment zu verstehen. Denn dieses Debüt-Album ist wunderschön und auf eine Weise aufregend, wie es meist nur Debüt-Alben sein können.
Schön ist, wenn in beiliegenden Promo-Zetteln wie dem zu dieser Platte einmal kein Unsinn steht, doof hingegen, wenn der dort formulierte Text im Groben schon das vorweg nimmt, auf das ich gern selbst gekommen wäre. Von Popmusik ist da die Rede, von Vermeidung gängiger Songstrukturen, von Post-irgendwas, von Berlin und Chicago und von Gegensätzen, die keine mehr sind.
In meinen Worten klingt das so: IKARIA halten sich dort auf, wo sich verträumte Popmusik und Post-Rock treffen. Ihre Musik ist vielfach von interessanten Wechseln durchzogen, bleibt aber dennoch zu jeder Sekunde nachvollziehbar. Das klingt an manchen Stellen wie eine englischsprachige Version von DELBO, hier ist insbesondere „To Give“ zu nennen, schaftt es bisweilen aber sogar, eine zugleich harmonische und merkwürdig entrückt wirkende Atmosphäre zu schaffen.
Sie sind melodieverliebt bis über beide Ohren und selbst, wenn sie die Zügel mal etwas lockerer lassen, und man, wie man es von vielen anderen Bands gewohnt ist, einen kräftigen Ausbruch erwartet, so klingt dieser doch immer vornehm zurückhaltend. Und nicht zuletzt hieraus bezieht diese Platte ihre Spannung. Denn sie behalten stets die volle Kontrolle, alles klingt zu gleichen Teilen nach Geschehen-lassen und Minutiös-duchgeplant und besonders im letzten Song muss ich des öfteren an einen DAVID GRUBBS denken, dem dies in der Vergangenheit schon des öfteren bravourös gelungen ist.
Den letzten Satz des genannten Info Blattes möchte ich zum Abschluss wörtlich zitieren: „…ohne dass man es merkt, findet man sich in ihrer Musik wieder, und kann nichts dagegen tun.“
Es stimmt. Weiter machen!
Bewertung: 7,5/10

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IKARIA „Repair My History“ auf cdstarts.de

Hervorgegangen aus verschiedenen Bands, starteten Ikaria ihre Laufbahn 2006 und fanden aus diversen Städten ihren Weg nach Hamburg, wo sich ein Sound festigte, der die Koordinaten Post-Rock, Shoegazer sowie Indie-Pop/Rock vorweist. Das dient allerdings höchstens als vage Beschreibung, denn Genre-Einbahnstraßen werden konsequent umschifft, so dass auf dem Debütalbum „Repair My History“ unter den Fittichen von Produzent Thom Kastning (Sometree, SDNMT, Siva) im Berliner Bellevue Studio ein Sound regiert, den man sich erarbeiten muss, dafür aber umso eindringlicher ist. Mittlerweile in Berlin beheimatet spielen sich Ikaria den Frust von der Seele, mischen Eingängigkeit mit psychedelisch sehnsüchtigen Momenten und lassen auch Gitarren-Eruptionen nicht zu kurz kommen. Nach der EP „Fiber“ nun also ein spannungsvolles Album mit Langzeitwirkung.

Der Opener „Ease“ kommt vorerst als sanftmütiger Einstieg daher und eröffnet mit unterschwelligen Beats sowie filigranem Gitarrenspiel, wird aber im Laufe des Songs dank der breakbeat-artigen Drums und wundervollen Rhythmuswechsel dringlicher, so dass besonders die träumerisch inszenierte Gitarre und der mitunter hoffnungslose, dafür aber umso markantere Gesang als Fixpunkte dienen, an denen vorbei dem Song viele Freiheiten gelassen werden, die Ikaria bestens nutzen. Da der Einstieg in „Repair My History“ aber durchaus schwierig werden kann, bietet sich „Tenable Sedation“ an, der sich mit seiner vermeintlich dunklen und fiesen Ausstrahlung an den Lauschern festbeißt. Das Schlagzeug lauert, die Gitarre steigert sich gen Lärm, kommt dann aber wieder melodisch einschmeichelnd zur Ruhe und die Vocals sinnieren von „gin and cigarettes“, während die Textzeile „I need a break“ vielsagend wiederholt wird und schließlich den geschrieenen Höhepunkt einleitet. Großes Kopfkino!

„Perpetual“ dient direkt danach als Ruhepol, dem die Klaviersounds sehr gut stehen und jazzig angehauchtes Drumming für Wohlklang sorgt. Leider muss man trotzdem sagen, dass es so ein deutliches Ausrufezeichen wie „Tenable Sedation“ auf dem Album kein zweites Mal gibt, es jedoch stets hochwertig bleibt und vor allem die tief greifende Atmosphäre aus „Repair My History“ ein nicht alltägliches Album macht, dem Genregrenzen fremd sind. In der Gesamtheit ein ordentlich bis gutes Werk, welches es dem Hörer auf angenehme Art nicht einfach macht und mit besagtem Song die Wertung um einen Punkt hebt.

Anspieltipps: Ease, Tenable Sedation Perpetual, Requirements For Habits

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IKARIA „Repair My History“ in der VISIONS Nr. 194 / Mai 09

Vielleicht sind die vier jungen Männer mit den weichen Haaren eine erfundene Band. Die meisten würden es so machen. Sich Posternamen geben: Hendrik, Jean-Jacques, Julius, Michael. Irgendwoher kommen. In Berlin untertauchen. So flüchtige Lieder schreiben, dass man manchmal vergisst, dass man überhaupt zuhört. Und Texte, die nichts und niemanden verraten. „Thoughts in the rain/ Oh yes, they wash away.“ Ihr Name ist eine Insel, sie selbst sind natürlich Vater Dädalus, der alles betrauert und nur kurz erschreckend wütend wird: „The only thing making me happy again/ Was blood spilling out of your veins.“ Grausame Worte, ein versöhnliches Klavier. Ikaria gehören wie ihre Freunde von Audrey und Delbo zu den Bands, die auch ohne Gesang funktionieren würden, wenn sie nur nicht so viele komplizierte, zusammenhanglose Zeilen loswerden wollten. Mal klingt das groß und befreiend wie bei The Appleseed Cast und mal so leise und verzweifelt wie die Schülerband im Keller nebenan, nicht immer nimmt es alle ganz mit. Darf man sagen, dass man ihnen zumindest das Herkunftsland noch anhört, auch wenn sie sich jede erdenkliche Mühe geben, zu den Besseren zu gehören? Es mag Zeit für eine Szene sein, die sich von Insel zu Insel sammelt, um ihre Songs zu hinterlassen. Von selbst hat die wohl kein Schiffbrüchiger im schmalen Gepäck, aber er dürfte sich freuen, sie in aller Ruhe zu entdecken. 8/12 britta helm
(8 Punkte = durchweg sehr gut laut VISIONS Notenschlüssel)

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IKARIA „Repair My History“ auf crazewire.de

„Popmusik, die Abschied nimmt von Vorhersehbarkeit und konvetionellen Strukturen, die von Brüchen und Heterogenität lebt, dabei aber sehr hörbar ist“. So beschreibt der Presstext das Album „Repair My History“ von Ikaria. Und trifft dabei erstaunlicherweise genau ins Schwarze.

Das Album des Vierers ist tatsächlich keinesfalls auf Mainstream gebürstet, passt aber dennoch in die Schublade Popmusik. Die Scheibe klingt manchmal sehr leicht, manchmal sehr verkopft. Im Vordergrund stehen Gitarrenläufe einer entweder gar nicht oder nur sehr leicht verzerrten Klampfe. Und ein sehr dominantes Schlagzeug, das viele Breaks und schräge Beats vorgibt.

Dazu mischt Ikaria immer wieder elektronische Einflüsse. Das macht die Musik sphärisch und leicht entrückt wirkend. Insgesamt eine sehr interessante Mischung. Die aber nichts bringen würde, wenn die Kompositionen nicht stimmen würden.

Doch die sind bei Ikaria in Ordnung. Da ist tatsächlich kaum etwas vorhersehbares zu entdecken, trotzdem wirken die Songs nicht fremd oder befremdlich, sondern man hat das Gefühl, sie schon länger zu kennen. Manchmal werden Assoziationen zu britischen Indie Rock Bands der 90er deutlich.

Insgesamt ist Ikaria ein gutes, wenn auch mit acht Tracks sehr kurzes, Album gelungen. Das Berliner Quartett hat aber sicher noch mehr auf dem Kasten, was sie ja auf den nächsten Alben beweisen können.

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IKARIA „Repair My History“ auf westzeit.de (1) und westzeit.de (2)

(1) Ikaria ist nicht nur eine griechische Insel, sondern auch der Name, den sich vier Jungs, die mittlerweile in Berlin ansässig sind, für ihre Post-Rock-Band ausgewählt haben. Post-Rock? „Braucht kein Mensch (mehr)“ werden viele mit Recht sagen. Natürlich erfinden Ikaria nichts Neues, auch wenn sie sich in der einschlägigen Louisville-Historie gut auszukennen scheinen. Die Stimmungen sind getragen, die Dramaturgie bekannt und bewährt. Aber: eigentlich machen Ikaria schöne Popsongs und sind auf einem coolen Label, das man – wenn man überhaupt noch Tonträger kauft – ruhig unterstützen kann.

(2) Neue Formation, ansässig in Berlin. Muss man sagen, denn ohne dieses Wissen würde die geschmeidig kraftvolle Indierock-Variante von Ikaria nach Skandinavien verlegt werden, zu Brüdern im Geiste wie Jeniferever, Intending, oder Kashmir. Der Opener Ease klingt noch etwas verhalten, führt auf die Poprockschiene, bevor Songs wie „Tenable Sedation“ reduzierte Gitarren und kräftig verzwurbelten Rhhythmus zusammen führen. Produziert hat die Scheibe Thomas Kastning, der sich nicht nur in der Berliner Szene einen Namen gemacht hat, etwa mit seiner Band Kate Mosh. Seine Produktion bringt die Mischung aus Klangfülle und Zurückhaltung auf den Punkt und lässt Songs wie das Radiohead-eske, epische „Non-Intrusive“ glänzen. Der Scheibe ist deutlich anzuhören, dass sich die vier ihre Hörner bereits in anderen Bands abgestoßen haben – überzeugendes Band-Debüt.

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IKARIA „Repair My History“ auf hififi.de

Ikaria kommen aus Berlin, könnten aber genauso gut aus Weilheim kommen. Ja, sie hören sich ein wenig so an wie The Notwist auf dem Neon Golden Album. Sie bieten also feinsten Indie-Pop voller Melodien, elektronischen und organischen Instrumenten, Rauschen, Fiepen, Beats. Alles relativ gelassen, könnte aber ungeduldige Hörer langweilen.

Schon der Opener „Ease“ begrüßt den Hörer mit Synthie-Rauschen und ein wenig elektronischer Kulisse bevor mit dem Einsetzen von Gitarre, Schlagzeug, Bass auch Sänger Hendrik Schäfer loslegt. Ruhig und getragen wirkt der Song. Der zweite Song „to give“ kommt anscheinend ohne weitere Keyboards aus. Interessant hier: ein mehrstimmiger Kanon im Mittelteil des Songs. In den ersten beiden Songs wird aber auch direkt das Problem deutlich: es fehlt gelegentlich die Textzeile, die im Ohr hängen bleibt, die Gitarrenmelodie, die den Hörer fesselt. Man muss sich drauf einlassen. Aber wenn man eben genau das tut, dann laufen Filme im Kopf, man fühlt sich entspannt. Aufwühlen können Ikaria aber auch: Wie bei „tenable sedation“, wenn die Musik ein wenig gehetzt wirkt und die Zeile „I need a break“ den Text bestimmt. Die Pause bieten Ikaria beim entspannten „Perpetual“, da wird es wieder ruhiger. „Non-intrusive“ baut sich in den über acht Minuten langsam auf. Wenn Anspannung beruhigen kann und man diesen Zustand vertonen kann, dann ist hier der erste mir bekannte gelungene Versuch. Die restlichen Songs des 8-Track-Albums (keine Sorge, die 40min Spielzeit werden erreicht) sind ebenso ruhiger, feiner Indie-Pop wie auf dem gesamten Album. Gibt man dem Album ein bisschen Zeit, dann kann man viel Schönes entdecken. Und es lohnt sich.

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IKARIA „Repair My History“ auf roteraupe.de

Alles wirkt so mosaikhaft. Nur Bruchstücke bleiben. IKARIA sind ein Puzzle. Die Musiker aus verschiedenen Städten leben doch am Puls von Berlin, die Musikmelange aus Postrock und Indiepop wirkt dennoch seltsam fahrig und desillusionierend.

„Repair my history“ ist das Ergebnis. Irgendwie ziellos, kein Ganzes ergebend. Aber im Einzelnen betrachtet ist das gebotene doch hörbar. Das elegische „Ease“, das zwischen Akustik und Elektrik disharmonisch waltende „Tenable Sedation“ oder das 8 minütige Pianoepos „Non-Intrusive“ erinnern nicht selten an die so großartigen Sun. In sich gekehrte Indiepopmusik mit Postrockingredienzen, welche den melancholischen Charakter der acht Titel erweitern. Dennoch schaffen es IKARIA nicht, die Titel zu einem homogenen Bild zusammenzufügen, was dem Album, auf Dauer, die Hörmotivation nimmt. Aus den atmosphärisch starken Kompositionen findet jeder für sich, sein Kleinod, sein Puzzlestück.

Es ist dieser kleine raue Mosaikstein namens „Marks“ der es mir angetan hat. Er ist ein wenig ungeschliffen, aber doch taktet sich sein Rhythmus in mein Herz. Er wirkt lebendig wenn ich Ihn in meinen Händen halte. Pulsierend wärmt mich sein Gesang.

Schade nur, daß Ikaria es nicht schaffen das Gesamtbild hinter „Repair my history“ zu vervollständigen.

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IKARIA „Repair My History“ auf helga-rockt.de

21 Uhr – die allerletzten Sonnenstrahlen verschwinden hinter dem Horizont. In wenigen Minuten wird statt der glühenden Röte nichts geblieben sein als Dunkelheit. So chaotisch es auch mitunter in unserem Leben zugehen mag, der täglichen Rückkehr der Nacht kann man sich gewiss sein. Wer bei diesem Bild nicht an ausufernde Party-Nächte in den Clubs der Städte denkt, sondern an die einsamen Freitagabende und -nächte in der heimischen Wohnung, der findet sich genau dort, wo Ikaria musikalisch einsetzen.

Melancholie durchzieht das Album „Repair My History“ mit einer faszinierenden Dichte von der ersten bis zur letzten Minute. Wo Interpol durch ihre kühlen Songs Vorreiter der musikalischen Nacht geworden sind, schließen Ikaria mit einer nochmals reduzierten Komposition an. Die Arrangements aus Solo-Gitarre, Bass und dezentem Schlagzeug werden stellenweise durch Piano und leichte elektronische Breaks ergänzt. Hinzu kommt ein zerbrechlicher Gesang, der verzweifelt gegen die Übermacht der Instrumente anzukämpfen scheint.

Dieser Kampf findet auch auf textlicher Ebene statt. Der Titel des Albums deutet es an und bei einem genaueren Blick auf die Lyrics wird klar, dass es eine enttäuschte Liebe sein muss, die das lyrische Ich beschäftigt. Die folgenden Zeilen stammen aus dem Auftaktsong „Ease“: „You‘re like a street, concrete cutting the landscape, you‘re one of them always waiting for the end, you are my perfect preset, perfect to create a broken soul.“

Trotz ihrer schönen Schlichtheit dauert es eine ganze Zeit, sich auf die Musik von Ikaria einzulassen. Die Rhythmen sind durch die Breaks mitunter vertrackt. Gutes Beispiel hierfür ist „Tenable Sedation“: Aus dem gebrochenen Beat sticht passenderweise der Vers „I need a break“ heraus – übrigens ist er der einzige Vers des Albums, der geschrien wird. „Perpetual“ gibt sich wesentlich weniger elektronisch. Durch das Piano und den unaufgeregten Gesang lässt es sich als klassische Ballade bezeichnen – wobei dies bei einem insgesamt ruhigen Album nicht sehr ins Gewicht fällt.

Herzstück des Albums bildet Track fünf „Non-Intrusive“. Der Song ist mit achteinhalb Minuten der mit Abstand längste und orientiert sich etwas in Richtung Post-Rock. Die Gitarrenmelodie erinnert an Explosions in the Sky, nach einem längeren instrumentalen Intro folgt wieder der klassische zarte Gesang, bevor sich der Sound verdichtet und in der letzten Minute des Songs auch die Gitarren etwas härter klingen dürfen.

Ikaria, ein deutsch-amerikanisches Quartett mit kreativem Hauptquartier Berlin, liefern mit „Repair My History“ ein starkes Debüt ab. Die Band schafft es, zugleich unaufgeregte und stimmungsvolle Songs zu schreiben. Etwas abwechslungsreicher könnten die einzelnen Lieder sein, das Piano und die härteren Gitarren ließen sich öfter einsetzen. Vielleicht wird ein zweites Album auch nicht mehr so durchgängig melancholisch sein. Der letzte Song „Sequel“ deutet zumindest an, dass auf die Nacht irgendwann der nächste Tag folgen wird: „Thoughts in the rain, oh yes they wash away, but so does love and so does pain.“ (Mischa Karth)

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IKARIA „Repair My History“ auf beatblogger.de

In Hamburg fängt alles an, so will es einem die Indie-Welt suggerieren. Zumindest scheint die Hansestadt Zentrum musikalisch kreativen Denkens zu sein. Die Mitglieder von Ikaria sind über ganz Deutschland verstreut, proben aber in Hamburg. Ihre erste EP “Fiber” ist keine 14 Monate alt, schon steht ihr durchaus spektakuläres, charmant verhaltenes Debütalbum “Repair My History” in den Läden, das zwischen Post Rock und Indie Pop Wellen schlägt.

Die eröffnende Single “Ease” begeistert, speziell weil erwähnte Genre-Fusion hervorragend klappt. Beinahe tanzbar und doch so minimalistisch wirkt das Arrangement, getragen von maschinell wirkenden Drums. Faszinierende, dennoch komplexe Melodien treffen auf sehnsüchtigen, anbetungswürdigen, gefühlsbetonten, distanzierten Gesang. Aber: es wird noch besser. “To Give” baut darauf auf, übt sich in leicht schrägem, mehrstimmigem Gesang und erzählt mit Nachdruck.

Immer wieder taucht der Name Radiohead in Gedanken auf, speziell bei “Tenable Situation”. “I need a break” hallt es wütend durch Raum und Zeit, “In Rainbows”-Rhythmik” tänzelt geschickt um schroffe Basslandschaften. Diese finden sich auch wieder im kathartischen “Non-Intrusive”, mit achteinhalb Minuten unumstrittener Gipfel dieser Platte. In bester Mogwai-Manier bauen Ikaria behutsam Stück für Stück ihre monströsen Klanglandschaften auf, explodieren auf dem Höhepunkt mit verzerrten Gitarren und schmerzhaft eindringlichen Vocals, nur um binnen Sekundenbruchteilen wieder zu implodieren.

Aber auch gegen Ende bleibt es spannend. “Marks” hat etappenweise beinahe etwas von einem Popsong, auch wenn die Rhythmusabteilung mit Nachdruck deutlich dagegen steuert. Aber halt, eigentlich ist der eingängige Schlusspunkt “Sequel” beinahe radiotauglich, reinigt mit seinen angezuckerten Gitarrenbergen und dezenten Sigur-Rós-Referenzen die Seele. Eine Fortsetzung von “Repair My History” wäre auf jeden Fall wünschenswert. Ikaria liefern auf ihrem Debütalbum eine von vorne bis hinten runde Leistung ab. Ein Highlight jagt das nächste, Melodien und Rhythmus treffen ins Schwarze, die Vocals legen sich wie Morgentau auf eine Frühlingswiese. Großes Kino.

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IKARIA „Repair My History“ auf alternativmusik.de

Da will eine Band also nun ihre Geschichte reparieren. Und das, wo es sich doch eigentlich um ihr Debüt-Album handelt. Zu kitten gab es da aber tatsächlich einiges, denn die Gesamtkonstruktion Ikaria setzt sich hier zusammen aus Chicago, Berlin, Washington DC und San Diego. Um mehr als die Summe der einzelnen Teile zu sein, traf man sich zunächst in Hamburg, verlegte dann aber den Bandmittelpunkt nach Berlin, um fortan als Band zu agieren, was letztendlich zum Debütalbum Repair my history geführt hat, das nach Touren mit Bands wie Favez, Delbo und Jeniferever nun erschienen ist und sich in der Schnittmenge von Indie-Pop und Post-Rock wohlfühlt.

Wenn die Albuminfo davon schreibt, dass es sich um Popmusik handele, die „Abschied nimmt von Vorhersehbarkeit und konventionellen Strukturen“, so ist das vielleicht etwas überspitzt, da durchaus Struktur vorhanden ist, im Gesamten muss man aber schon sehen, dass die von Ikaria gespielte Musik nicht gerade konventionell ist. Sicherlich sind Ikaria nicht die musikalische Avantgarde – das werden sie aber auch kaum sein wollen. Vielmehr erspielen sie sich eine musikalische Nische mit zwar harmonischer, ruhiger Musik, die sich jedoch nicht darin erschöpft, einfach gefällige Songs zu schreiben. Stattdessen erzeugen Ikaria diese Harmonie mit verschachtelten Arrangements, die ihre Zielstrebigkeit dabei dennoch nicht aus den Augen verliert. Gitarrenläufe, verträumt-atmosphärische Phasen, aber auch ein immer wieder die Stücke anziehendes Schlagzeug und gefühlvoller Gesang geben Repair my history ein ansehnliches Gesicht. Ikaria müssen dabei gar nicht aus sich herausgehen, sondern klingen in ihren klaren Momenten am stärksten – obgleich ein dezenter Ausbruch wie das aggressive „I need a break“ in tenable sedation gut für Überraschungen sorgen kann.

Zwar sind es nur acht Stücke, die auf Repair my history zu finden sind, da diese durch ihre Arrangements aber auch gerne mal länger werden, schafft man es dennoch auf eine akzeptable Albumlänge. Die Geschichte wurde also repariert – mit Erfolg. Es darf also sehr gerne weiter voran gehen!

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IKARIA „Repair My History“ auf aufgemischt.com

Ikaria, eine Band aus Berlin, die Musik, fernab von jedem Hype, macht. Ihre Musik ist filigran und schwebend, und klingt als möchte sie einfach nur dem Alltag entfliehen und sich in ihrer eigenen Sphäre bewegen um gehört zu werden. Schon auf der EP “Fiber” zeigte sich in welche Richtung es gehen wird. “Repair My History” ist nun die erste Langspielplatte der Band und erscheint wie “Fiber” auf dem kleinen, aber feinen Label “Cobretti”.

Die ersten Töne der Platte stammen vom Song “Ease”, der auch die Leadsingle ist. Er beginnt mit einer kurzen, sphärischen Synthiefläche und gibt das Signal, dass man sich jetzt am besten einfach in die Musik fallen lässt und sie genießt. Und es klappt. Die Musik trägt den Hörer hinaus aus dem Alltag, hinein in seine Träume. Der Sound ist harmonisch, die Stimme sanft. Doch schon “To Give” zeigt das sich hier Abgründe auch verstecken. Das Stück ist bedrückter und immer wieder fällt die Frage “How can you… ?”. “Tenable Sedation” ist noch dunkler und steigert sich in eine gewisse Verzweiflung, die den Hörer mitberührt. Die Stimme wird leiser und zum Ende immer agressiver verzweifelt. Diese Stimmung bleibt aber nur kurz. Titel Nummer 4, “Perpetual” , ist wieder wesentlich heiterer und gibt einem das Gefühl, dass sich nach einem schweren menschlichen Konflikt, endlich die Wolken verzogen haben, was auch durch die Zeile “Thinking of you makes me smile” bestätigt wird.

Die 2. Hälft des Albums beginnt mit dem, größtenteils als Instrumental gehaltenen, “Non-Instrusive”. Er fährt in der gleichen Spur wie die Tracks vor ihm. Auch das darauffolgende “Requirement For Habits” bleibt der bisherigen Linie treu, unterscheidet sich aber durch den stärkeren Einsatz von elektronischen Mitteln. Der vorletzte Titel “Marks” ist wieder etwas beschwingter und sticht als kleiner schöner Indiepopsong heraus. Der letzte Song “Sequel” ähnelt dem vorhergegangenen und ist ein würdiger Abschluss.

Ikaria klingen auf ihrem Album mal etwas wie The Whitest Boy Alive oder Studio (nur mit Gitarren, etwas dunkler und ohne Exotik). Manche Songs wie “Perpetual” oder “Marks” erinnern ein wenig an Bands wie Dark Captain Light Captain oder Plus/Minus. Das Album ist sehr gelungen und entzieht sich gekonnt der modernen Zeit. Als Makel ist nur zu sehen, dass die Scheibe über komplette Länge etwas langweilig wird, da der Druck in mehreren Songs fehlt, und gewisse Ausbrüche fehlen, die dem ganzen etwas mehr Spannung bzw. Dramatik verleihen würden.

Trotzdem ist das Album zum Abschalten und Träumen sehr zu empfehlen. Die Band hat hiermit ein gutes Debut hingelegt, warten wir nun was weiter geschehen wird. Bis dahin können wir uns ja mit “Repair My History” gut durchbringen.

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IKARIA „Repair My History“ im Slik Magazin

Vier Berliner, die ganz frisch im Musikkarussell mitrotieren, und dennoch jetzt schon wie eine der professionellsten Bands Deutschlands klingen, nämlich wie The Notwist. Ikaria geben jedem Song die Zeit, die er braucht, treiben ihn und sich selbst zur Perfektion, beackern ihre Stücke wie eine Doktorarbeit. Wer das zu schätzen weiß, bekommt hier ein akustisches Summa Cum Laude.

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IKARIA „Repair My History“ auf tinnitus-mag.de

An der Wurzel anfangen hieße zu viel wollen: Daher keine griechische Insel und keine Flügel versengende Hitze. Weitere lokale Bezugspunkte bieten sich bei den Bandmitgliedern ebenso wenig an: Sie kommen „aus verschiedenen Bands und Städten“ (Pressetext), von Hamburg ist die Rede, von Berlin, egal. Der Produzent heißt Thomas Kastning und aufgenommen wurde im Studio Bellevue in Berlin. Also drängen sich immerhin Namen wie Kate Mosh, Seidenmatt und Ter Haar auf. Könnte es sich also bei Ikaria handeln um Rockmusik ohne breite Beine, ohne Leder, ohne Bierästhetik? Es sei verraten: Wir sind auf der richtigen Spur.

Nur 8 Songs zieren Repair My History, ein Debütalbum mit reichlich Vergangenheitsbezug im Titel, was allerdings nicht heißen soll, dass ein trauriger oder gar resignierender Tonfall in den mindestens 4-minütigen Songs vorherrscht. Optimistische oder gar euphorische Töne lassen sich hingegen mit noch geringerer Wahrscheinlichkeit entdecken, die Grundstimmung ist vielmehr getragen bis nachdenklich, vereinzelte Ausbrüche bleiben vorbehalten. Am tiefsten taucht dabei das epische Zentrum des Ikaria-Debütalbums, der Song Non-Intrusive, ein in eine Art üppige Rock-Melancholie, fast 9 Minuten lang, die Treppen des Pathos werden erklommen zu sprachlichen Bildern wie das des nach Hause Kommens, wo niemand wartet- Kann man so was nicht fast als Powerballade bezeichnen? (Wenn die Powerballade nicht so negativ konnotiert wäre, dann schon…)

Non-Intrusive hat tatsächlich im Kontext des gesamten Albums eine Gipfelfunktion: Erst der Aufstieg mit zwar komplexen wie meditativen, aber dennoch treibenden Songs, deren klarer Gitarrensound die EMOtionalität von Hendrik Schäfers Gesang untermalt, einzelne emotionale Ausbrüche (To Give, Tenable Sedation) miteinbegriffen. Überhaupt: Tenable Sedation ist eine verdammt coole Nummer, über die fein akzentuierte Snare bis zu „Gin and cigarettes“ und zur Uhr („The clock is chasing me and my time“), über die sinniert wird. Auch im Indierockschuppen von nebenan würde Tenable Sedation keine schlechte Figur machen. Nachdem der Gipfel des monumentalen Non-Intrusive erklommen wurde, nimmt Repair My History etwas Geschwindigkeit heraus und die Stücke verharren eher in einem balladesk gemäßigtem Tempo: Requirement For Habits und Sequel. Besonders bei letzterem geht es sehr melodramatisch bis weinerlich zu.

Kein ganz zwingendes Debütalbum, aber angenehm durchdacht. Coolness und Weinerlichkeit wiegen einander auf und werden zu Potential.

7 von 10 Punkten

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IKARIA „Repair My History“ auf dosenmusik.de

Applaus, der Anfang ist gemacht

Es ist für eine Band gar nicht verquert schon herumgekommen zu sein. Ikaria selbst verweisen bezüglich ihrer Musik auf eine Schnittmenge aus den verschiedenen Indie-Szenen von Chicago, Berlin, San Diego und Washington D.C.. Hinzukommen dürfte Hamburg, wo ihr kleines Indie-Label namens Cobretti sitzt und die Vier sich einst niederließen.

Pop und Post-Rock nennen sie es und wahrlich, da ist ein gehöriger Schuss Post in all den verträumten, in sich versunken Melodien, die sich ja gar überhaupt nicht bemühen es dem Zuhörer angenehm zu machen. Vielschichtig nennen sie es und auch hier kann man nur zustimmend nicken. Denn was den Zugang erschwert ist eigentlich das Wunderbare an Ikaria, nämlich, dass man nach dem dritten oder vierten Mal hören das Gefühl bekommt in ihre Indie-Welt eintauchen zu können, die sich nur leicht mit dem sanften Gesang bekleidet und ansonsten ihre Riffs zur Schau stellt, die an sich simpel, aber in ihrer Gesamtheit dem Hörer die Möglichkeit geben, sich von der angelegten Melancholie bezaubern zu lassen. Exzellent gelungen vor Allem bei „Tenable Sedation“ und „Sequel“.

Wer nun an The Notwist denken muss, liegt alles andere als verkehrt. Allerdings merkt man Ikaria, wie auch den frühen Notwist, die fehlende technische Versiertheit an. So geht das Gefühl für die Gesamtheit verloren und weicht der introvertierten Verspieltheit der Vier Wahl-Berliner. „Repair My History“ ist ein wahres Schmankerl der deutschen Indie-Szene und sollte somit die Aufmerksamkeit erfahren, die eine Weiterentwicklung und ein noch besseres Album erfordert.

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IKARIA „Repair My History“ auf gaesteliste.de

Dem Griechischunterricht erfolglos entronnen, bleibt manchmal doch etwas hängen. Zum Beispiel die Geschichte von Dädalus und Ikarus, die auf Kreta festgehalten werden. Die Flucht über das Meer scheint aussichtslos und so kreiert Dädalus für sie Flügel aus Federn und Wachs. Was im wahren Leben nicht klappt, gelingt. Sie können fliegen, aber nur solange sie nicht zu hoch oder zu tief fliegen, damit weder die Hitze der Sonne noch die Nässe des Meeres ihnen etwas antun kann. Zuerst geht alles gut. Doch dann packt Ikarus der Übermut. Er fliegt zu hoch, das Wachs seiner Flügel schmilzt, die Federn lösen sich, er stürzt ins Meer und stirbt. Als Andenken an seinen Sohn nennt Dädalus, dem die Flucht gelingt, die Insel auf der er ihn beerdigt, Ikaria.

Ein bedeutungsträchtiger Name also, den sich die vier Wahlberliner gegeben haben. Mit „Repair My History“ erscheint nun ihr acht Track langes Debütalbum. Das Album eröffnet gleich mit der Singleauskopplung „Ease“. Vorsichtig und nur langsam fordernd bereitet es auf das, was die nächsten vierzig Minuten kommen wird, vor. Diese Band drängt sich mit ihren Liedern nicht auf. Vielmehr ist es ein zaghaftes, höfliches Anklopfen an den Gehörgang. Lässt man Ikaria rein, sind sie gute Gäste, die eine Menge mitgebracht haben. Erstaunlich akribisch durchdachte Songstrukturen, unkonventionelle Beats, umrankende Gitarren, mal weiche mal knarzende Bassläufe und ein Gesang irgendwo zwischen Resignation und dem großem Aufbruch, machen dieses Album zu etwas besonderem. Auch wenn man nicht viel von diesem Referenzband-Denken hält, so schwirren doch permanent Namen beim Hören durch den Kopf, die aber so schnell wie sie gekommen sind auch wieder verschwinden. Ikaria ist eine Band der Gegensätze. Und auch wenn der Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ wissenschaftlich so gut wie widerlegt ist, so funktioniert das auf „Repair My History“ wunderbar. Sie ziehen sich nicht nur an, sie fusionieren sogar und bilden somit ein wirklich interessantes Klangerüst.

Bleibt man bei der Dädalus / Ikarus Assoziation, so sind die beiden Extreme Indie und Post-Rock, zwischen denen die Wage zu halten ist. Im Gegensatz zur ursprünglichen Geschichte gelingt der Band dieser Balanceakt ohne die Flügel zu verlieren. Das ist vielleicht kein Happy End, aber auf jeden Fall ein guter Anfang. -Sophia Poppensieker-

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IKARIA „Repair My History“ auf laut.de

Was Ikaria da als Erstwerk raushauen, ist nicht nur höchstamtlich, sondern könnte tatsächlich Cobretti Records (Motto „Scheiße, Korrupt, Aggressiv“ ) zu einem ganz neuen Standing verhelfen. Zunächst einmal sind Ikaria wohl der erste Label-Act, der mit elektronischer Musik nichts am Hut hat. Dafür verbindet die Band mit loser Basis in Hamburg einiges mit Shoegazer-Schwergewichten wie Aereogramme oder feinen Gitarrenfricklern wie 31 Knots.

Gleichzeitig hoch verdichtet und nie schwerfällig trägt die Musik von Ikaria den Hörer von melancholischer Weltvergessenheit zu selbstvergewissernder Stärke. Mit „Repair My History“ in den Ohren durchschreitet man tiefe, schattige Täler, ohne Kälte zu fühlen oder Angst zu spüren.

Man muss allerdings bereit sein, sich auf die Langsamkeit einzulassen, auf die gemächliche, fast schon hypnotische Entwicklung, die den Stücken innewohnt. Dabei sind die nicht etwa ungewöhnlich lang, lediglich das fast epische Centerpiece „Non-Intrusive“ sticht heraus. Und doch wirkt das Album wie aus einem Guss. Die Band ist hervorragend eingespielt und offensichtlich technisch versiert. Der sanfte, einfühlsame, durchgängig englischsprachige Gesang bettet sich ausgezeichnet ins Klanggerüst ein.

Langweilig oder einschläfernd wird „Repair My History“ zu keiner Zeit, interessante Akkordfolgen oder vertrackte Rhythmen sorgen immer wieder für Abwechslung. Allein ernsthaft melancholisch kann man bei übermäßigem Genuss werden. Ikaria gelingt also ein sehr ordentliches Debüt, dass sie sicher nicht in die Charts (Gott bewahre!) katapultiert, aber sicher Musikfreunden das Herz wärmt. Oder zumindest die Ohren.

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CAPTAIN CAPA „Tonight Is The Constant“

roteraupe.de
mainstage.de
triggerfish.de
laut.de
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Captain Capa „Tonight Is The Constant“ auf roteraupe.de

“in this room where the walls are dripping and the boys are soaking wet” – mit dieser ersten Zeile steht schonmal das Setting für diese Nacht, durch die Captain Capa auf ihrem Debutalbum führen. In einem kochenden Club findet man sich wieder und wird sogleich voll vereinnahmt von dröhnenden Elektrobeats, die den Raum ausfüllen.

Die Texte greifen sich Ausschnitte aus Szenen, die vor sich gehen; Momente werden festgehalten, ohne dass die Geschichten bis zum Ende mitverfolgt werden, so als würde man an ihnen vorbeilaufen und sie nur kurz in den Lichtern aufblitzen sehen. Es sind Momente, die in jedem Leben vorkommen könnten, Momente, die einem nicht fremd sind und genauso schnell, wie man das verstanden hat, hat auch die Musik den Weg ins Ohr gefunden. Sehr eingängig ist sie, trotz hier und da kaputt klingender Stellen – denn was vor allem ganz schnell hängenbleibt sind die Melodien, die in allen Ecken stattfinden, ob im Gesang oder sonstwo. Auch die Stimme ist hier nur ein weiteres Element in dieser Masse, eingebettet in Synthie- und Elektroklänge, die alle miteinander kommunizieren und zueinander gehören wie Menschen auf einer Tanzfläche. Dennoch wird es nie glatt; immer wieder, wenn man gerade meint, alles eingesogen zu haben, taucht etwas Neues auf und glitzert durch das Licht.

Aber eben genannte Stimme nimmt doch irgendwie die Rolle des Protagonisten auf diesem Album ein. Hier und da prominent zu hören, in einigen Stücken gar nicht vorkommend, hier und da überlappt vom Rest, hier und da auch verzerrt, ist dies eine auffallend poppige Stimme, die in dieser massiven Elektroumgebung manchmal geradezu zerbrechlich wirkt. Wie ein Einzelner in einer Menschenmenge; individuell, aber dennoch Teil des Ganzen.

So tanzt man mit Captain Capa durch die Nacht, bis man am Ende in den Regen entlassen wird. Die beiden Herren bieten auf diesem (von Der Tante Renate produzierten) Album auf jeden Fall einen Haufen Lieder, zu denen man in den glorreichen Stunden abgehen kann, um danach auf dem Weg nach Hause kopfnickend zu den Beats die Euphorie ausklingen zu lassen.

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Captain Capa „Tonight Is The Constant“ auf mainstage.de

Zwei Wochen später als geplant erschien nun mit “Tonight Is The Constant” das Debütalbum der Newcomer-Formation Captain Capa. Auf der Scheibe, die niemand geringeres als Der Tante Renate produzierte, finden sich 14 vielversprechende Songs, die Techno, Indietronic und Electro-Pop gekonnt kombinieren. Nach ihrer ersten EP “These Fights Are Never Over” wird nun zum ersten Mal ein Überblick ihrer vielschichtigen Einflüsse gegeben.

Das Tempo der Scheibe wird gleich zu Anfang ziemlich hoch geschraubt. Mit dem Song “Sweat“, der auch auf Konzerten schon bewies, dass er das Publikum zum Abtanzen bringen kann, wird ein perfektes, eingängiges und beatlastiges Intro abgeliefert. Dabei wird ironischerweise textlich gerade der Disco-Hedonismus thematisiert.

in this room where the walls are dripping
and the boys are soaking wet
you’re like the sun crawling up the horizon
in an hour you’ll be gone with the sweat

Mit den nachfolgenden “Axxidents” und “Kids On Fire” finden auch bereits veröffentlichte Songs ihren Platz auf dem Debüt. Letzterer wurde für “Tonight Is The Constant” neu eingespielt und klingt klarerer und voller denn je. Nachdem die Scheibe so anfangs sehr auf Smash-Hits setzt, geht der Sound mit “T.H.E.P.E.S.T.” und “At/A/Ree 1309 On” mehr in die Untiefen klassischer Techno/Rave-Strukturen. Diese Einflüsse und Instrumental-Parts tun der Scheibe ungemein gut und bereichern den Sound. Ein defintives Highlight der Platte ist deshalb der derbe und dreckige Techno-Track “Bundlefly“, der mit Sicherheit in der Lage ist, die Tanzfläche zum Überkochen zu bringen! Apokalyptische Countdown-Stimmung trifft hier auf fetten Beat und nervöses Flirren: Das dürfte selbst schon außerhalb diverser Discos ein unheimliches Kopfkino auslösen.

Auf “Crush Me Waiting” bedient man sich neben dem elektronischen Grundgerüst verzerrter Gitarrensounds und fabriziert einen Song, der in die Electro- und Rockelemente gekonnt verbindet. Eine Mischung, die ja seit mehren Jahren ja auch im Bereich kommerzieller Musik immer mehr Anklang findet. Es finden sich aber auch ebenso Stücke wie “Calvin” die bestimmte Segmente der poppigen Electros bedienen. Beides Verquickungen der elektronischen Musik, die nicht jedem gefallen dürften.

Ashi und Maik sind Raver mit Herz. Selbst dem letzten dürfte das beim Duett mit Nina Martine im Song “Out Of Fashion” und dem abschließenden Lied “Interchoir” klar werden. Dass sie auch Freude an Balladen im Electro-Gewand haben, wurde auch auf Konzerten deutlich, wenn man zur Abwechslung auch mal “was für’s Herz” spielte – und das auch gerne gegen den Unmut aller, die nur abhotten wollten. So sind es diese beiden, emotionaleren Stücke, welche den Ausklang des Debüts bilden.

i got tears in my both eyes
i’m an out of fashion girl
crop a piece of paper
put it on glass
choking on glitter
clean up the mess
you can be an artist you can be what you want
you know the hardest part is nothing is wrong

Captain Capa liefern mit “Tonight Is The Constant” eine Mischung aus vielen Stilelementen der elektronischen Musik und präsentieren gleichzeitig einen Sound aus einem Guss. Der Tante Renate gab dazu der Platte die nötige Festigkeit.

“Tonight Is The Constant” zeigt die beiden Musiker als Liebhaber elektronischer Musik, die mit den verschiedensten unterschiedlichen Strömungen eben jener aufgewachsen sind und nun die Musik machen, die sie selbst auf der Tanzfläche so sehr mögen. Es wird spannend zu verfolgen sein, welchen der vielen auf der Platte angerissenen Pfade Captain Capa in Zukunft weiter einschlagen werden. “Tonight Is The Constant” beweist auf jeden Fall, dass sie Potential zu vielerei besitzen. Und das auch ganz ohne Pokémon-Remix.

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Captain Capa „Tonight Is The Constant“ auf triggerfish.de

All of my friends say…
Elektropop ist hip und längst in den Charts angekommen. Doch diese abgestumpfte Version zieht die Untergrundjünger nicht auf die Tanzfläche. Dazu braucht es schon schwerere Kaliber, wie es etwa DOES IT OFFEND YOU YEAH ?. Aber es muss nicht immer Amerika sein, um Tanzflächenbombardements abzufeuern.

CAPTAIN CAPA kommen aus Thüringen und was sich zunächst wie ne Italodisco-Nummer anhört, ist bis auf das Eiffel65 Soundalike „Calvin“, gar nicht so schlimm wie es vermuten lässt. Der Tatort bleibt zwar der Club oder die Disco, aber hier kann man sich sicher sein, daß jede Tanzfläche gerockt wird. Kurzatmige Elektrobeats ballern über Synthieflächen, sorgen für schweisstreibende Extremitätenaction und dank des astreinen Gesangs für mehr Ohrwürmer, als der alte Gehirnleguan fressen könnte. „Axxidents“ geht diesen Weg, ebenso wie „Kids on Fire“. Letzteres klingt verdächtig nach BLOC PARTYs Anfangszeiten und bringt Sozialkritik als Hymne verpackt in der Expresszustellung. Zwar verlässt die Band immer wieder die zentralisierten Popmechanismen und zeigt Ihre Computerkünste anhand von wahnwitzigen Nummern wie „T.H.E.P.E.S.T.“, welches wie ein 8Bit Konsole im Mikrowellenherd klingt, auch nicht jeder Titel landet unweigerlich in der Repeatschlaufe des Kurzzeitgedächtnisses. Aber mit der Effektzauberei und Vocoderzauberei haben die Thüringer eines nicht vergessen, die astreinen Pulsbeschleuniger sind enthalten. „Sleeping oil not robot blood“ bringt mit beschleunigten Beats, firpenden Sounds und einer, für Elektrotracks, unheimlichen Atmosphäre Strom in den Blutkreislauf und Robotmoves in die Glieder. „out of fashion“ hingegen sorgt für wahrgewordene Elektropopträume. Bringt 80s Kitschpoprefrains mit Bollerbeats aufs Elektrosurfbrett und lässt lasziven Mädelsgesang drüberrollen. Das kratzt arg an DOES IT OFFEND YOU YEAHs Superhit „Dawn of the dead“.

Da muss erstmal die Luke wieder geschlossen werden, die vor Staunen beim Hören von CAPTAIN CAPAs „Tonight is the constant“ offen geblieben ist. Lebe im Jetzt lautet die Devise – bei CAPTAIN CAPA ist das Jetzt eine nie enden wollende Nacht im Electroclub eurer Träume. Im elektronischen Musikbereich hatte Deutschland schon immer eine Vorreiterrolle, auch wenn CAPTAIN CAPA da schon fast spät dran sind, ist Ihr Elektropopstatement doch unüberhörbar. Heroen.

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Captain Capa „Tonight Is The Constant“ auf laut.de

Schon der Anfang ist eine Referenz. Der erste Takt, bestehend aus vier Vierteln hart angeschlagener Snare (bzw. dem, das der Drumcomputer daraus macht), erinnert an den Opener „Magnets“ von Digitalisms Debütalbum „Idealism“. Das wiederum steckte voller Referenzen an die französischen Kollegen Justice, die wiederum wären ohne French-House-Pioniere wie Daft Punk oder Cassius nicht möglich gewesen. „Was solln wir bloß mit den ganzen Zitaten?“ fragten schon Saalschutz, und Captain Capa antworten: „Profitieren von dem Hype!“

Aber genug der unzulässigen Verallgemeinerungen. „Sweat“ haut trotz bekannter Zutaten doch ganz schön rein. Zumal sich die Lyrics ganz vorzüglich ins Songgerüst einpassen. Wer sind die Jungs eigentlich? Zwei blutjunge Buben aus Thüringen, die erfreulicherweise im Äußeren und im Output wenig mit dem von Tobias Rapp so herrlich beschriebenen Ostraver gemein haben. Hannes Naumann (der als Ashi auch für die visuelle Gestaltung des Tonträgers verantwortlich zeichnet) und Maik Biermann manövrieren den Raumgleiter namens Captain Capa.

Die beiden landen mit ihrem Gefährt auf diversen Disco-Planeten, ihr Antrieb ist die Musik, 14 potentielle Hitgranaten feuern sie auf den Hörer ab. Irgendwo zwischen Post-Hi-NRG, Trashpop und Electro-Disco mit einem Schuss Justice und Bloc Party macht die Platte halt, natürlich mit dem nötigen Rumms untermalt. Selbstverständlich alles sehr 2009. Wenn man bereit ist, die Vocoder-Parts zu verzeihen (was ich natürlich nicht bin, ich träume nach Vocoder-bestückten Songs immer nächtelang von Cher, schönen Dank, Captain Capa!), ist „Tonight Is The Constant“ eine wirklich passable Platte.

Einige allzu offensichtliche Verweise wie „T.H.E.P.E.S.T.“ an Justices „D.A.N.C.E.“ (obwohl es eher klingt wie der Franzosen „Stress“) hätten sie sich sparen können, dafür scheint hier und da so etwas wie eine Message durch (z.B. bei „Kids On Fire“). Dennoch oder vielleicht gerade deswegen stellt „Tonight Is The Constant“ ein gutes Debütalbum dar, zu dem man auch dem Cobretti-Label gratulieren darf, dass sich so langsam zum „ernsthaften“ Plattenhaus entwickelt. Der Sound und die Richtung stimmen, etwas mehr Eigenständigkeit würde ich mir beim nächsten Album dann doch wünschen.

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