Cobretti Rec. historisch – Ein Interview mit dem damaligen Chef Der Tante Renate

Das Interview muss irgendwann 2004 oder Anfang 2005 geführt worden sein. Genau lässt sich dieses Fundstück nicht datieren. Ist auch gar nicht so wichtig. Damals war Der Tante Renate noch Chef von Cobretti und Radio HAW war so freundlich, das Label auf seiner Homepage vorzustellen.

Hier erstmal die alte Labelhistorie:

Cobretti ist ein Musiklabel, dass aus der Not geboren wurde. Am Anfang stand die Idee, einen Sampler zu machen, auf dem diverse unbekannte Hamburger Künstler ihre Lieder veröffentlichen können. Mangels eines Vertriebes wurde der Sampler zum finanziellen Deasaster, das Label jedoch wurde weitergeführt. Der Tante Renate und Tipo van Scoop sahen schnell ein, dass es schlauer ist, selbst produzierte und selbst gebrannte Alben zu kleinen Preisen raus zu bringen, und so kam die Sache ins rollen. Bald wurde die Website http://www.cobretti.org/ gebastelt, die nicht zuletzt auch zur Kommunikation zwischen den einzelnen Künstlern dient. Inzwischen hatten nämlich auch Plemo, Juri Gagarin und der lange verschollen geglaubte DjKante bei Cobretti gesignt. Bei Cobretti wird nicht mit Verträgen, sondern auf freundschaftlicher Basis gearbeitet. Es geht nicht um kommerziellen Erfolg, sondern um Spaß an Musik und verrückten Dingen. So entstand zum Beispiel das Blitzpop Projekt, bei dem sich eine Band an einem Tag gegründet hat, ein komplettes Album aufnahm, dies dann am Abend live präsentierte, um sich anschließend wieder aufzulösen. Auch Konzeptalben wie die AXTHAMMERFORKE finden bei Cobretti ihren Platz, ein zerstörerischer Zyklus quer durch den westlichen Kulturgeschmack, der immerhin drei Jahre Produktionszeit benötigte und 4 CDs umfasst. Vertrieben werden die Produkte mittlerweile vom befreundeten Label Audiolith. Dies hat außerdem die Vinyl-Produktionen von Cobretti-Künstlern übernommen, da Cobretti dafür das Geld fehlt.

Wie man sieht, hat sich bei Cobretti Rec. in all den Jahren nicht viel geändert, zumindest nicht an der Herangehensweise. Künstler wie Der Tante Renate, Plemo und Juri Gagarin haben mittlerweile bei Audiolith unterschrieben und dürften Land ein- und aufwärts bekannt sein. In der Chefetage sitzen seit 2007 die Vollprofis DJ Kante und Herr Zebrakante. Diese beiden Herrn sind derzeit dabei, die Historie von Cobretti Rec. um ein weiteres Kapitel zu erweitern. Ob das alles so klappt, wie sie sich das vorstellen, wird man Anfang 2009 beobachten können.

Und was war mit dem historischen Interview mit Der Tante Renate? Dies findet ihr in den Kommentaren.


2 Antworten auf „Cobretti Rec. historisch – Ein Interview mit dem damaligen Chef Der Tante Renate“


  1. 1 Administrator 25. Juni 2008 um 9:41 Uhr

    INTERVIEW MIT „DER TANTE RENATE“ aka der Chef von Cobretti

    01. Wie kam es zu dem Namen Cobretti? Klingt irgendwie italienisch?
    Nun ja, Cobretti ist der Name von Sylvester Stallone in „City Cobra“. Ein Film der uns und unser Umfeld sowohl politisch als auch moralisch tief beeindruckt und geprägt hat. Ohne diesen Film wären in Laufe der Jahre vermutlich wesentlich mehr Überfälle auf Versicherungsfachleute und Spione verübt worden als so. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an George P. Cosmatos für sein erstaunliches Werk.

    02. Der Musik Stil variiert ja bei Cobretti je nach Künstler und nach Laune derer. Wie launisch bist du?
    Ach, ich glaube ich bin mittlerweile über relativ weite Zeiträume in meiner Stimmung stabil, aber es kommt schon mal vor, dass mich was so richtig runterreißt oder ich einfach mal einen Tag lang rumhänge und mal gar nichts gebacken bekomme. Aber wie gesagt kommt das schon echt selten vor. Das liegt nicht zuletzt daran, dass unser Label mir so unglaublich viel abverlangt: Plattenverträge erneuern, Künstler betüdeln, Handelspartner aus Fernost zum Golfen einladen und und und. Du kennst das. Da hat man nicht mehr viel Zeit für Stimmungen. Man kann das Vergleichen mit Stallone in Rambo III, wo er von der Granate getroffen wird und auf die Feststellung „Ey Rambo, du blutest!“ sagt: „Ich hab keine Zeit zum Bluten!“

    03. Wie funktioniert das Cobretti System – von der Idee bis zur CD?
    Wir machen ja nur noch Low- oder No Budget Produkte, weil man so jede Freiheit in der künstlerischen Gestaltung hat und alles rausbringen kann, worauf man gerade Bock hat ohne drauf achten zu müssen, wie der Markt gerade aussieht. Die Produkte entstehen so auch meistens auf unterschiedliche Weise: Sehen wir uns mal „die AxtHammerForke“ an. Das ist eine Vierfach-CD mit drei kompletten Alben und einem Video. Für die drei Alben haben wir drei Wochenenden im März im Abstand von jeweils einem Jahr gebraucht! Und für das Video auch nur einen Tag. Wir haben das Konzept dann zum Ausgangspunkt für diese „Blitzpop“ – Geschichte gemacht. Dabei ging es darum an einem Tag eine ganze Band auf die Beine zu stellen und von der CD-Produktion über Merchandiseartikel und Plakaten alles an einem Tag zu machen. Andere CDs wie z.B. die DJKante CDs dauern etwas länger, sind aber auch meistens recht flott am Start. HipHop200 Sachen sind am Anfang auch so entstanden, aber für die letzten Songs von der „The great HipHopSwindle“ haben wir echt Ewigkeiten gebraucht. Mir wird ab und zu mal angedichtet, dass wir versuchen würden der Pop-Industrie eins in die Fresse zu Hauen, indem wir das alles in den Dreck ziehen, aber das stimmt so überhaupt nicht. Vielmehr versuchen wir den Pop-Diskurs weitestgehend zu ignorieren und vielleicht ein bisschen zu enttarnen und den ganzen Zirkus etwas zu entwerten…

    04. Und glaubst du, dass es in Zukunft mehr solche Arten von Labels geben wird?
    Nein. In der Form nicht. Und zwar weil die anderen zu schwach sind. Um so´n Ding durchzuziehen braucht man gute Leute mit einem Sprung in der Kanne. Die findet man nicht einfach mal so auf der Straße.

    05. Woher kommt der relaxte Umgang mit Musik, den die Cobretti Künstler Gemeinde insgesamt ausstrahlt?
    Da bin ich mir nicht ganz sicher, aber das hat bestimmt was damit zu tun, wie Musik in der Jugend rezipiert wurde. Man wird ja erstmal überflutet mit eingängigem gut produziertem Pop. Wenn man darauf aber kein Bock hat und andere Wege einschlagen will, muss man sehen wie man weitermacht. Aus meinem Umfeld kamen da ganz erstaunliche Veröffentlichungen z.B. von TipoVanScoop oder auch DJKante. Das war erstmal richtiger Trash, den wir aber unglaublich lustig fanden, gerade weil der sich so hart von dem anderen Zeug aus dem Radio oder so abgesetzt hat. Und wenn man erstmal den Punkt überschritten hat, an dem man sich selbst seine Fehler eingesteht und diese dann abfeiert, kann einem ja gar nicht mehr passieren. So war das wohl. Aber wie gesagt das kann auch alles falsch sein und wir haben eine genetische Besonderheit, weil unsere Schulbücher aus Brennstäben recycelt wurden.

    06. Schaut man auf eure Seite www.cobretti.org, kann man lesen wie erfolgreich das Label ist? Kannst du vielleicht kurz beschreiben worauf ich z.B. achten müsste, wenn ich auch ein kleines Label betreiben wollen würde?
    Als erstes musst Du sehen wie Du an Geld kommst. Wir haben dafür Tomaten aus Peru eingeflogen und uns so ein kleines Handelsimperium auf Gemüsebasis aufgebaut. Dann ging es weiter mit den ersten Kleinstaaten, deren Regierungschefs wir geputscht haben und so konnten wir ganz bequem von den Steuereinnahmen leben. War einfach. Auf dieser Grundlage haben wir Cobretti Enterprises GmbH & Co KG CSU & APP aus dem Nichts aus der Asche steigen lassen. Ach ne, jetzt habe ich mich geirrt! Wie gerade eben schon gesagt, kann man das nicht nachmachen, oder Du fängst einfach an. Unentbehrlich ist eigentlich nur die Idee. Aber für die kann man meistens eh nichts.

    07. Was treibst du neben der Musikproduktion?
    Ich sitze gerade an meiner Diplomarbeit in Medientechnik und hab einen Nebenjob beim NDR. Ist eigentlich ganz ok, aber das ändert sich ja alles bald. Ich hoffe dann darauf, bei irgendeinem Musikinstrumentehersteller oder einer Firma für Musiksoftware unterzukommen. Mal sehen ob es klappt. Ich würde mich jedenfalls einstellen.

    08. Mit Rückblick auf die gelungene Blitzpop Geschichte, wie sieht bei dir eine Vorbereitung auf einen Live Auftritt aus?
    Die meiste Arbeit in der Vorbereitung der Live-Auftritte war eigentlich die Umsetzung der Songs. Ich musste sehen, welche Geräte ich brauchte, bzw. was überhaupt erstmal zur Verfügung steht und wie die Geräte dann effektvoll eingesetzt werden konnten. Dabei hab ich eine Menge gelernt, was live machbar ist und was man lieber zu hause lässt. Ich hab ja „war“ gesagt war, weil ich damit im Moment ganz zufrieden bin und die Konfiguration erstmal so lasse. Die neuen Songs passe ich dann einfach an. Das ist nicht mehr soviel Arbeit. Was aber bei mir ganz wichtig ist: Weil ich die Songs am Rechner schreibe, schiebe ich nur viel mit der Maus hin-und her und spiele die Lieder nicht. Deshalb muss ich die Sachen mindestes zwei-dreimal komplett durchspielen und so ne Übungen machen, damit ich überhaupt den Takt halten kann. Ich muss mich also erstmal wieder mit den Geräten synchronisieren. Komisch ist das.

    09. 2005 (erneut?) auf dem Fusion Festival als Live-Act am Start. Wie kam es dazu?
    Ja da freu ich mich richtig drauf! Das Hafenklang hat einen Hangar da und besetzt es mit den Acts auf die sie Bock haben. Dieses Jahr haben sie Lars Lewerenz von Audiolith Rec. Nach ein paar Acts gefragt und der hat mich dann vorgeschlagen zusammen mit Räuberhöhle und Plemo. Hat mich total gefreut. Das wird zwar sehr früh sein, aber egal. Das wird super!

    10. Wo kann man sonst noch mit dir rechnen?
    Clubmässig empfehle ich das KDW,Schilleroper, Astra-Stube, meanie Bar und wenn alles aus ist den Clochard. Früher war der Goldene Anker immer noch meine Topadresse, aber das hat mittlerweile den Besitzer gewechselt und jetzt hängen da keine alten, gebrochenen Menschen mehr ab und das ist jetzt langweilig. Ansonsten noch die Verkehrinsel am Holstenplatz, da ist meistens richtig Halli-Galli auf dem Baum da.

    11. 2005 wird Cobretti 75. Jahre alt. Wird dieses Jubiläum entsprechend zelebriert?
    Das kann man wohl sagen: im August 2005 gibt es ein Straßenfest, an das sich Cobretti heften wird. Das wird ein richtig großes Ding mit Dosenwerfen und so. Das ist aber noch alles in Planung, deshalb sag ich da lieber noch nicht so richtig viel drüber. Weißt ja wie das ist: einer sagt was, der andere hört das; der klaut das dann und den ersten stört das. Nur soviel: es wird selbstgebrautes „Cobreti-Pilsener“ geben. 75 Jahre ist das schon. Mann, Mann, Mann.

    Vielen Dank!

  2. 2 .ashitaka 25. Juni 2008 um 11:43 Uhr

    Oh Gott, ist das hirnlos!!

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